Gerti Windhuber

Webansichten

Gedanken zur Frauenförderung

Kerstin Hofmann hat heute einen Post zum Thema „Warum wir Frauen dringend fördern müssen“ veröffentlicht, der mir in vielen Punkten aus der Seele spricht. Das Thema beschäftigt mich ebenfalls schon eine ganze Weile und weil es einen einfachen Kommentar sprengt, fasse ich meine Erfahrungen, Ergänzungen und Positionen in einen eigenen Post:

1. Sozialisierung trägt viel zur eigenen Wahrnehmung als Frau in der Gesellschaft bei

Wenn ich die Zeilen so lese, habe ich mit meiner Familie ebenfalls großes Glück gehabt, mit einem Vater dem ich sehr ähnlich bin und der deshalb mit mir als Mensch immer sehr viel anfangen konnte, ohne auf Mädchen oder Junge zu achten (und das obwohl ich einen älteren Bruder habe). Unser Slogan zu Hause war „wenn Du etwas wirklich willst, dann schaffst Du das auch“. Aber dafür muss man etwas tun und sich nicht nur hinstellen und nach einer Quote rufen. Wir machen uns die komfortable Situation, in der wir uns als Frauen in einer westlichen Gesellschaft befinden zu selten bewusst. Wenn ich noch vor ein paar Jahren die Freundinnen meiner Nichte gehört habe, die darüber diskutierten, dass sie nach Abschluss der Schule ja sowieso heiraten und dann „versorgt“ sind, haben sich jedes Mal meine Nackenhaare aufgestellt. Heute glaube ich, dass die anschließende Diskussion vor allem deshalb nicht gefruchtet hat, weil durch die Firewall aus spätpubertierendem „Null Bock“ einfach kein Durchkommen war.

Viel schlimmer finde ich da noch die Frauen, die denken, sie können sich auf den Errungenschaften der Frauenbewegung ausruhen, zurücklehnen und einfach mal ihr Recht fordern. Nein, genau das ist es nicht, denn nur aufgrund dieser Tatsache einen Job zu bekommen, gefördert zu werden oder gar besser dazustehen als die Männer, das würde mich auf jeden Fall nicht zufriedenstellen.

2. Frauenquote im Berufsleben ist Quatsch

Meine Berufswahl hat mich ebenfalls in eine Männer dominierte Branche (Elektro-/Messtechnik) verschlagen und ich empfand es auch eher als Vorteil und Bereicherung, den Mittler zwischen zwei Welten geben zu können. Ich bin überall positiv aufgenommen worden. Und ja – ich musste an der einen oder anderen Stelle auch  mal beweisen, dass ich es drauf habe. Das jedoch auf die Tatsache zurückzuführen, dass ich eine Frau bin, würde mir im Leben nicht einfallen. Ist doch völlig legitim, dass man den Neuen oder die Neue erst mal abcheckt ob er/sie es auch drauf hat, ob man sich auf ihn/sie verlassen kann und ob man auf der gleichen Wellenlänge ist.

Die typischen Klagen, dass man als Frau weniger Karrierechancen hat und die Rufe nach einer Quote in der Führungsetage wird ja immer wieder durch Studien wiederlegt. Der Karriereknick geht aber häufig einher mit dem Wunsch, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen und dann nur Teilzeit zu arbeiten. Mein Aha-Erlebnis stellte sich zu dem Zeitpunkt ein, als mein männlicher Kollege, der Teilzeit arbeitete, um sich um die kranken Eltern zu kümmern, genau die gleichen Klagen laut werden ließ wie die Kollegin, die wegen der Kinder nicht voll berufstätig sein konnte. Ist der Karriereknick also kein Phänomen, das nur Frauen betrifft, sondern hängt es mit der Art der Beschäftigung zusammen? Dann wäre die Lösung eine einfache – Frauen, wenn Ihr Euch gemeinsam mit den Männern für die Familie entscheidet, tragt auch das Karriererisiko gemeinsam. Jeder Mensch hat einen Anspruch auf Teilzeitarbeit. Ich glaube auch, dass es unter den Frauen weniger gegenseitige Unterstützung gibt. Während Männer sich schon mal gegenseitig unterstützen und auf dem Weg nach oben mitnehmen, beäugen sich Frauen häufig kritisch und wägen eher ab, ob man sich nicht die Konkurrenz im eigenen Hause heranzüchtet. Das ist jetzt vielleicht etwas zu sehr pauschalisierend, aber meine Mentoren waren bisher immer ausnahmslos Männer. Insofern stimme ich Kerstin Hofmann zu: wir müssen versuchen, uns gegenseitig zu fördern. Vor allem aber müssen wir uns gegenseitig darin bestärken, dass wir Dinge können wie sich vorne auf eine Bühne stellen oder an einer Uni lehren oder auch eine Führungsposition ausfüllen und eine gute Chefin sein.

Vor einigen Jahren war ich mal auf einem Journalistinnen-Kongress und die Kolleginnen haben sich fürchterlich darüber echauffiert, dass sie – um ihre Themen als freie Mitarbeiterin unterzubringen – sich auf das Niveau und die Themen des Chefredakteurs einlassen mussten. Was folgte war eine hitzige Debatte. Mein Standpunkt. Wenn ich als freie Journalistin etwas verkaufen will, muss ich den Käufer für mich einnehmen und wenn die Recherche, die zum Geschäft gehört, ergibt, dass der Chefredakteur auf Formel 1 und kubanische Zigarren steht, kann ich mir Informationen dazu anlesen und so nette Konversation betreiben. Gleiches gilt für die Chefredakteurin, die sich lieber über Prada-Taschen und Fett absaugen unterhalten möchte. Und dümmer wird man von keinem der Themen…auch wenn ich persönlich viel lieber über Formel 1 als über Kosmetik spreche. Glück gehabt.

Schlimm war die Erfahrung auch auf einem Treffen von Historikerinnen. Dort war der Ruf nach Gleichberechtigung sehr laut zu vernehmen, die Bereitschaft dafür etwas zu tun hingegen umso geringer. Da hätten einem die sprichwörtlichen gebratenen Tauben doch in den geöffneten Mund fliegen sollen. Es gipfelte darin, dass diejenigen Frauen, die sich weigern zu Geschäftsverhandlungen im Business-Outfit zu erscheinen, sich wundern warum sie nicht ernst genommen werden, dann aber Aufträge für lau erledigen, einfach um im Geschäft zu bleiben und weil es die gut dortierte Position des Ehemanns erlaubt. Sorry, aber das treibt mir die Zornesröte ins Gesicht. Ich bin dafür, dass gute Arbeit auch gut bezahlt wird und ich bin dafür, dass gleiche Arbeit auch gleich bezahlt wird. Hier haben wir sicher noch den größten Nachholbedarf. Aber da können wir fordern solange wir wollen und uns abmühen wie wir wollen, solange es immer noch Frauen gibt, die Jobs nur annehmen, damit sie weg von der Straße sind und ihren Namen unter einem Stück Papier lesen können, solange werden diejenigen, die von der gleichen Art Arbeit leben müssen, immer den Kürzeren ziehen. Zum Glück war ich dort nur als Begleitung für eine Freundin, sonst hätte es vielleicht ein schlimmes Ende gefunden.

3. Was kann jede Einzelne tun

Ich glaube, dass wir Frauen zunächst einmal vor unserer eigenen Türe kehren sollten. Wenn sich eine Gelegenheit bietet, ergreift sie. Vorträge vor größeren Menschengruppen sind auch nicht mein Ding, aus irgendeinem Grund habe ich aber Talent dafür und deshalb muss ich über meinen Schatten springen. Wenn ich etwas zu sagen habe, teile ich es gerne mit anderen Menschen. Noch lieber schriftlich oder in Einzeldiskussionen, aber wenn es die Situation erfordert eben auch als Referentin. Das trägt hoffentlich dazu bei, dass man auch anderen Frauen Kompetenz zutraut – vor allem wenn die Diskrepanz zwischen guten Vorträgen von Frauen und den schlechten einiger Männer nicht mehr zu übersehen ist. Dann häufen sich die Chancen, die dann hoffentlich wieder jemand ergreift. Das heißt im Umkehrschluss aber auch, dass wir keine Quote fordern können und wenn wir eben nichts zu sagen hätten, auch keine heiße Luft verbreiten.

Frauen, organisiert Euch. Ich kenne einige spannende Gruppen in denen sich Frauen austauschen aber noch mehr, in denen es um ein Thema geht und in denen sich sowohl Frauen als auch Männer tummeln, wobei die Frauen dort häufig das kommunikative Übergewicht haben. Das sollten wir ausnutzen und uns gegenseitig unterstützen. Es müssen ja nicht immre Kochrezpete und Strickmuster sein, die wir austauschen. Warum nicht auch mal Jobangebote oder spannende Projekte?

 

Weitere Ideen? Bin gespannt auf die Diskussionen.

 

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