Gerti Windhuber

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Was bedeutet Reisen für mich?

Themenwoche Reisen

 

 

 

 

Gerne schließe ich mich der Themenwoche „Was bedeutet Reisen für mich?“ an. Wenn ich so über das Thema nachdenke, lässt es sich nicht so einfach beantworten. In der Tat gibt es viele Facetten. Reisen ist ja auch nicht gleich reisen und es macht einen großen Unterschied, ob man geschäftlich unterwegs ist, Freunde besucht, Städtetrip mit Shopping geplant hat, einfach nur mal alle Viere gerade sein lassen will oder ob man auf Entdeckungstour geht. Deshalb hab ich mir erst mal überlegt, was für ein Reisetyp ich bin. Dazu gab es vor einiger Zeit mal eine Blogparade Reisetyp, an der ich mich zwar nicht beteiligt habe, die mich aber inspiriert hat.

Ich bin ein Weltenbummler mit starken Wurzeln

Wenn ich die Beiträge so durchgelesen habe, fand ich mich weder in der Beschreibung der Backpacker noch der Partyurlauber und mangels Familie auch nicht als Familienurlauber wieder. Organisierte Gruppenreisen sind mir ebenso ein Greuel wie Pauschalreisen. Wellness mach ich manchmal, Reisen mit Freunden häufig, dazu kommen dann Städtetrips und viel viel Individuelles.  Reisen war für mich schon immer etwas Besonderes. Meine ersten Erinnerungen daran sind die Familienurlaube mit den Eltern, die dann immer uneingeschränkt Zeit hatten. Und ich glaube fest, dass die Art zu Reisen sozialisiert wird. Wir sind nie zweimal an den gleichen Ort gefahren, denn es gibt ja viel zu viele Orte, die man gerne besuchen würde, deshalb wäre es irgendwie Verschwendung. Dieses Muster hat sich auch bei mir festgesetzt.

Die Liste meiner Reisewünsche ist lang und während ich versuche, das eine oder andere abzuarbeiten, kommen schon wieder mehrere neue Ziele dazu. Eigentlich bin ich das ganze Jahr über am Planen und buchen und während ich noch in den Erinnerungen der letzten Reise schwelge, werden diese ganz sachte von der Vorfreude auf die kommende abgelöst. Was sich machen lässt, bestimmt manchmal der Geldbeutel, manchmal die Urlaubssituation im Büro und manchmal auch die Mitreisenden. Dabei kommt es auch gar nicht so sehr darauf an, wie weit man weg fährt, sondern wie man reist. Und ich komme auch immer wieder gerne nach Hause zurück, aber dazu später mehr. Deshalb glaube ich, dass ich mich am besten als Weltenbummler mit starken Wurzeln beschreiben könnte. Es muss für mich die Gelegenheit geben, nicht nur die Touristenversion des Urlaubslandes zu sehen, sondern etwas Authentisches zu erleben.

Reisen ist immer ein Abenteuer

Wer sich nicht auf die durchorganisierte Reiseplanung großer Veranstalter verlässt, erlebt vermutlich immer mal wieder ein kleines Abenteuer. Wer aber noch dazu privat so ein kleiner Chaot ist wie ich, für den ist Reisen per se ein Abenteuer – in meinem Fall eines, das bereichert und bisher immer ein gutes Ende gefunden hat. Dabei waren schon eine Menge brenzliger Situationen zu bewältigen:

  • Als es bereits zu spät ist, realisieren, dass der Zugteil in dem man sitzt nicht zum Münchner Flughafen sondern nach Freising fährt
  • Der eigene Flug fällt wegen technischer Probleme aus
  • Am Zielort kommt man zwar selber an, nicht aber das Gepäck (seitdem habe ich immer alles Wichtige im Handgepäck)
  • Mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt werden
  • Das Feuer eines Brandstifters löschen
  • Polizeiermittlungsarbeit auf Barbados kennen lernen
  • Einen Flug nach Fuerteventura, aber ein Haus auf Lanzarote gebucht haben
  • Ein Zelt ohne Überzelt für die Reise mitgenommen haben

Wie gesagt, alles ist gut ausgegangen und das sind die Geschichten, die ich noch meinen nicht vorhandenen Enkeln erzählen kann.

Mit sich selbst klar kommen und neue Leute treffen

Wenn man wie ich gerne und viel reist, besteht nicht immer die Möglichkeit, das mit Freunden zu tun. Und ehrlich gesagt würde ich mich auch nicht so einschränken wollen, ein Ziel nicht anzuvisieren, nur weil niemand mitkommt. Ich habe bereits recht früh angefangen auch alleine zu reisen. Das erste Mal eher unfreiwillig, weil meine Reisepartnerin kurz vor knapp abgesprungen ist und ich natürlich keine Reiserücktrittsversicherung hatte. Also mit gemischten Gefühlen alleine los. Das war toll, weil ich viele neue, spannende Leute kennen lernen durfte, weil mein Selbstvertrauen sich mit jeder bewältigten Aufgabe extrem verbessert hat und weil ich einfach sonst nie so viel Zeit für mich gehabt hätte. Danach bin ich noch häufiger alleine losgezogen. Und wenn ich mal nicht alleine sein wollte, habe ich mich auf Unterkünfte und Reiserouten von Backpackern begeben. Dort kann man die tollen Typen treffen.

Andere Kulturen kennen lernen

Ob wir wollen oder nicht, wir haben zu bestimmten Themen eine vorgefertigte Meinung, die teilweise auch von den Medien und dem eigenen Umfeld geprägt wird. Wenn man dagegen mit offenen Augen und offenem Herzen reist, relativieren sich manche Eindrücke. So habe ich auf Sansibar einen muslimischen Guide gehabt, der sehr weit weg war von den radikalen Strömungen, die durch unsere Medien geistern. Er hat auch erzählt, dass aufgrund der Arbeit manchmal die vorgeschriebenen Gebete verschoben werden müssen und dass er nicht zu den kostenpflichtigen „Gottesdiensten“ geht, weil er einfach zu wenig verdient. Sein Fazit war dann aber dass Allah seine Gebete auch von zu Hause erhört, wenn er so ist wie im Koran beschrieben. Bei anderer Gelegenheit durfte ich eine Frau aus Afghanistan kennen lernen, die mit 3 kleinen Kindern geflüchtet war. Sie erzählte vom Minirock, den sie getragen hat, davon dass sie gar nicht kochen konnte als sie heiratete und dass in Afghanistan so schöne Trauben wachsen, dass es eine Schande wäre wenn nicht jede Familie ihren eigenen Wein daraus machen würde.

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Sehr beeindruckt war ich von der Mentalität der Buddhisten: Dieser Mann stand völlig regungslos in einer Tempelanlage, zu seinen Füßen ein Schild, dass er nichts dagegen hätte, fotografiert oder gefilmed zu werden, dass er aber weder Geld oder Essen haben möchte, noch angesprochen werden will.

 

Sich freuen, wieder nach Hause zu kommen

RetiredSo schön das Reisen auch ist, ich freue mich jedes Mal wieder, wenn ich nach Hause komme, denn im Laufe der Zeit habe ich zwar das eine oder andere Mal darüber nachgedacht, mal eine Weile im Ausland zu wohnen oder zu arbeiten, aber aus den verschiedensten Gründen ist nie was draus geworden. Wenn ich heute darüber nachdenke, ob ich als Digitaler Nomade glücklich wäre, dann komme ich immer mehr zu dem Schluss, dass das für mich keine dauerhafte Lebenssituation sein kann. Zu sehr würde ich meine Freunde vermissen und das kann auch kein soziales Netzwerk ausgleichen, ich würde auch München vermissen, die schönste Stadt in der man wohnen kann und ich würde die kleinen Rituale vermissen, die mit den Urlaubsreisen verbunden sind: Da wäre die Fotosession inkl. Menü mit Speisen der bereisten Orte. Diese kleine Tradition versetzt einen zurück nach wo auch immer man war und man kann nochmal reflektieren. Trotzdem ist man wieder im sicheren Hafen, sodass die negativen Erlebnisse schnell verblassen und man die nächste Reise planen kann, denn nach der Reise ist vor der Reise.

Aber vielleicht geht es mir in ein paar Jahren ja so wie der Aufkleber auf dem Bild es andeutet: RETIRED – no address, no money, no phone but having fun.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Blogparade „Was bedeutet Reisen für dich?“ entstanden. Gestern waren 5 p concept und Lavender Province an der Reihe, den Abschluss bilden morgen  Noirin & Lyra sowie Süchtig nach. Alle Beiträge zu dieser Themenwoche findet ihr hier:

 

MONTAG: Terrorpüppi & Kermitchens Welt // DIENSTAG: Living the Beauty & Msiemund // MITTWOCH: Anna Nikabu & C over the top // DONNERSTAG: Underclass Hero & Chamy travels // FREITAG: 5 p concept & Lavender Province // SAMSTAG: Windhuber & Weibi // SONNTAG:  Noirin & Lyra & Süchtig nach

 

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